Horst Kempe (1907-1998)

Horst Kempe
Horst Kempe (ca. 1927)

Horst Kempe wurde am 7. Februar 1907 als einer von vier Söhnen des Schriftstellers und Werbespezialisten C. Richard Kempe und seiner Frau Elisabeth (geb. Posthriac aus Wien) geboren.
Er besuchte des König-Georg-Gymnasium in Dresden, mußte aber wegen der wirtschaftlichen Lage nach dem ersten Weltkrieg 1921 vorzeitig abgehen. Einer kaufmännischen Lehre mit Besuch der Handelsschule in Meissen folgte eine kurze Selbständigkeit und ab Mitte der 20er Jahre eine Anstellung bei der Emil Uhlmann AG. in Chemnitz (Lebensmittelbranche) wo er sich wegen seiner Kreativität, insbesondere in der Werbung, binnen kurzer Zeit zum Leiter hocharbeitete.
Anfang der dreissiger Jahre zog es ihn wieder nach Dresden. Er gründete auf der Dresdener Waisenhausstrasse einen Stahlwaren-Grosshandel, mit dem er wiederum viel geschäftlichen Erfolg erntete.
Während dieser Zeit begann er sich mit dem Sammeln von Kunst zu beschäftigen. 1939 endete diese Existenz durch den Krieg, den er sechs Jahre durchstand. Getreu dem Motto: "Lieber als Feigling gestorben denn als Held gefallen" belegte er alle möglichen Lehrgänge um dem Fronteinsatz zu entgehen und liess sich u.a. als Spezialist für berittene Artillerie, Heeresverpflegung und Dechiffrierung ausbilden. Die amerikanische Invasion in der Normandie erlebte er als Führer eines Dechiffrier-Zuges (Holzauge). Mit der zurückflutenden Wehrmacht brachte er seinen Zug - durch Fliegerbeschuss stark dezimiert - bis nach Komotau in Böhmen durch. Dort sollte sein Zug im Frühjahr 1945 dem letzten Aufgebot General Schörners unterstellt werden. Horst Kempe gelang es, den jungen Kompaniechef dazu zu überreden, sich mit seinen Leuten den Amerikanern zu ergeben. Das rettete ihnen wahrscheinlich das Leben. Kurz danach war der Krieg zu Ende und die Gefangenschaft wurde in eine Internierung umgewandelt. Aus dem umzäunten Internierungslager gelang es ihm zu fliehen. Gegen die verbliebene goldenen Taschenuhr tauschte er einen Schlosseranzug und einen Werkzeugkasten ein und machte sich in Richtung Dresden auf. Beim Auftauchen russischer Streifen gab er sich als eifriger Handwerker bei der Arbeit.
Existenz, Kunstsammlung und Wohnung sowie die fünf Stadthäuser der Familie wurden bei dem Bombenangriff auf Dresden zerstört. Schon während des Krieges hatte er sich für Philatelie interessiert und so begann er schon im Sommer 1945 in Dresden mit dem Handel von Briefmarken. Besonders die provisorischen Ausgaben der Nachkriegzeit interessierten ihn und in kurzer Zeit baute er einen in ganz Deutschland bekannten Briefmarken-Grosshandel auf. Er verfasste mehrere Publikationen wie "Schöne Sächsische Sonderstempel" und "Die Marke auf Brief"
.

Leipziger Messe 1946
Leipziger Messe 1946

1946 Heirat mit Wina Kempe geb. Riedel.

Horst und Wina Kempe, ca. 1977
Horst und Wina Kempe, ca. 1986

Anfang der 50er Jahre wurde der Briefmarkenhandel Opfer einer Enteignungsaktion der Kommunisten.
So besann sich Horst Kempe auf sein altes Hobby Kunstsammeln und begann im ausgebombten Dresden einen Kunsthandel. Die Firma "NOVA" auf der Königstrasse (Friedrich-Engels-Strasse) machte sich rasch einen guten Namen bei Sammlern und Museen.

Nova, Friedrich-Engels-Str.
NOVA-Antiquitäten, Friedrich-Engels-Str. 19 in Dresden ca. 1966

So vermitttelte Horst Kempe Werke u.a. von Heckel, Dix, Schmidt-Rottluff in die Dresdner Museen.
Durch seine Freundschaft mit Otto Dix hatte er das Privileg, sein vertrauter Kunsthändler in der DDR zu sein und ein großer Teil der in den sechziger Jahren in Dresden geschaffenen Lithografien wurden durch NOVA vertrieben.

Schließzeiten wegen der umfangreichen Ankaufstouren wurden den Kunden durch originelle Schilder erklärt:

Der Maler Otto Dix hinterliess einen Gruß auf obigem Schild:

 

Der Reklamekünstler Willy Petzold meldete sich zum "Honigschlecken" an:


 

Kaffeklatsch in Wachwitz
1962: Kaffeklatsch auf der Terrasse des Hauses in Dresden Wachwitz:
Von links, Horst Kempe, Wina Kempe, Otto Dix , Käthe König (Dresdner Gefährtin von Dix)

Zeichnung Hassebrauk 1966
Porträt Horst Kempe, Zeichnung von Ernst Hassebrauk 1966

Im alten 1935er "Hanomag" wurde über Land gefahren und unzählige Kunstschätze transportiert.

Horst Kempe und Frank Kempe mit dem Hanomag, Winter 1964
Horst Kempe und Frank Kempe mit dem unverwüstlichen alten "Hanomag", Winter 1964

Horst Kempe und seine Brüder Heinz (rechts) und Lothar (vorn) ca. 1970
Horst Kempe und seine Brüder Heinz (Chirurg, rechts) und Lothar (Schriftsteller, vorn) ca. 1970

1974 musste die Firma NOVA - nun auf der Haupstrasse in Dresden ansässig - geschlossen werden, weil private Betriebe in der DDR nicht mehr genehmigt wurden und so die Nachfolge durch den Sohn Frank Kempe unmöglich war.
Horst Kempe - nun Rentner- entschloß sich 1973 zur Übersiedlung in den Westen, weil seine Frau dort auf Grund krankheitsbedingter Zeitüberschreitung einer Rentnerreise festsaß und wegen Strafandrohung nicht mehr zurück nach Dresden konnte.

1974 mit Sohn Frank Frank und Tochter  Freia Kempe sowie Chow-Chow Barry
1973 mit Frank und Freia Kempe sowie Chow-Chow Barry (Foto: Ernst Hirsch Dresden)

Kurz vor der Ausreise 1974 wurde Horst Kempe inhaftiert und nach 9 Monaten U-Haft ohne Anklage oder Urteil direkt aus dem Stasi-Gefängnis nach dem Westen abgeschoben. Bedingung war die Anerkennung einer Steuerschuld in Höhe des Wertes seines Umzugsgutes. Günter Blutke hat die Geschichte in seinem 1990 erschienenen Buch "Obskure Geschäfte mit Kunst" beschrieben. 1975 konnten die Kinder Frank und Freia folgen, nachdem sie die "Steuerschuld" bezahlt und den Grundbesitz der Staatssicherheit geschenkt hatten. Horst Kempe half nach 1975 beim Aufbau der Galerie Saxonia. Am 8. Dezember 1998 starb er, 91-jährig, in Haag in Oberbayern.

91. Geburtstag 1998
91. Geburtstag 1998

Grab in Haag
Letzte Ruhestätte auf dem Friedhof von Haag in Oberbayern
zu Füßen des mittelalterlichen Schlossturms