Lithographie: Flachdruck, Steindruck. Auf den Stein wird die Zeichnung mit lithographischer, das ist eine sehr fetthaltige Tinte oder Tusche aufgetragen. Die Teile des Steins, die nicht drucken, also auf dem Papier weiß bleiben, werden angefeuchtet und nehmen dadurch die fetthaltige Druckfarbe nicht an.

Lithographie

TECHNIK. Die Zeichnung wird mit einer fetthaltigen Substanz auf einen speziell vorbereiteten (geschliffenen, gekörnten und entfetteten) feinkörnigen Kalkstein gebracht. Um die fetthaltige Zeichnung auf dem Stein zu stabilisieren und die nicht druckenden Partien für die aufzutragende Farbe unempfindlich zu machen, wird die Steinoberfläche mit Talk überwischt und eine Ätzflüssigkeit aufgetragen. Nachdem sie vom Stein wieder abgewaschen und dieser getrocknet ist, erfolgt mit Gummiarabikum ein filmartiger Überzug. Der feuchte Gummi wird von der fettigen Zeichnung abgestoßen und bleibt nur auf den unbezeichneten Stellen haften. Ist der Stein getrocknet, wird die Zeichnung mit Terpentin ausgewaschen, bis diese nur noch als Fettgrund zu sehen ist. Dieser Fettgrund muß durch Einreiben mit Asphalttinktur verstärkt und dann getrocknet werden. Eine Walze überträgt die Druckerfarbe auf den angefeuchteten Stein. Der Fettgrund stößt das Wasser ab und nimmt die Farbe auf, die, da fetthaltig, von den feuchten Steinpartien abgestoßen wird. Der Stein kommt in eine Reiberpresse - mit der der Druck erfolgt. Statt eines Steines können auch Metallplatten verwendet werden. Nach dem Druck der Auflage wird der Stein abgeschliffen (oft 2 Steine aufeinander gerieben) und kann für eine neue Arbeit präpariert werden. Die Lithogrfie-Technik wurde in den letzten Jahren des 18. Jhd. (1796-1798) von Alois Senefelder erfunden. Man spricht von einer Steindruck-Inkunabelzeit, zu ihr gehören (nach Felix H. Man) alle Drucke in Deutschland, die bis 1821 entstanden sind (in Frankreich bis 1817, in England bis 1810) Das neue Verfahren wurde sofort von bedeutenden Künstlern aufgegriffen: Goya, Ingres, Delacroix, Daumier, Menzel. Die Lithografie erlaubt große Modulationsmöglichkeiten im Schwarzweiß mit unendlich vielen Schattierungen vom leichtesten seidigen Grau bis zum tiefsten, sattesten Schwarz. Es gibt zwei Möglichkeiten eine Litho zu schaffen: durch direktes Gestalten auf dem Stein (Steindruck) und durch den Umdruck einer Zeichnung (Umdruck-Litho). 1. Direktes Arbeiten auf dem Stein mit Litho-Kreide und -Tusche, mit Pinsel, Feder, Schaber, Nadel u.a. Es läßt sich auch mit der Spritztechnik (Sieb oder Bürste) arbeiten, man kann lavieren, ätzen, schaben etc. Die Tusche kann mit anderen Substanzen (Terpentin, Benzin z. Bsp.) gemischt werden, was perlartige Strukturen bewirkt. Auf den Stein lassen sich ZeitungsKlischees umdrucken, Objekte abpressen, frisch gedruckte Zeitschriften und Textilstrukturen u.ä übertragen - es kann also nicht nur gezeichnet und laviert werden. Robert Rauschenberg hat die Ausdrucksmöglichkeiten der Lithographie wesentlich erweitert. Er kombinierte Fotografie mit Pinsel- und Kreidezeichnung. Die Platte für die Fotodetails wird dabei mit einer lichtempfindlichen Schicht überzogen, gedrocknet, unter einem fotografischen Negativ belichtet und als erste (vor der fotolosen) Platte abgedruckt. Gedruckte Fotos sind aber auch direkt - in Tepentin getränkt - mit der Presse auf den Stein übertragbar. Auch auf fotomechanischem Wege können Siebdruckraster hergestellt werden, die mit Lithotusche auf den Stein gebracht werden. Photolithographie, die einen originalgrafischen Charakter hat. 2. Umdruck-Lithografie (auch Papier-Litho. bzw. Autografie genannt). Hier wird die Zeichnung von einem Spezialpapier auf den Stein umgedruckt. Es können auch Holzschnitte und Radierungen (R. als Hochdruck) umgedruckt werden, desgleichen ist ein Umdruck von Zinkplatten möglich. Überhaupt ist der technischen Erfindung weiter Spielraum gelassen. Max Ernst hat z. B. eine Collage als Strichätzung klischieren lassen und das Klischee mit seinem Relief als Unterlage für eine Frottage auf Umdruckpapier benutzt; das Ergebnis hat er auf den Stein übertragen, auf dem er dann weiterarbeitete. Große Künstler haben sich des Umdruckpapiers bedient, so Daumier, Toulouse-Lautrec, Nolde, Barlach, Matisse, Kokoschka, u.a.